Der Singles Day erobert die Welt



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Shopping-Event Der Singles Day erobert die Welt

Publiziert am 10.11.2020 von Stephan Lamprecht, Journalist

Morgen ist es wieder so weit: In China wird der Singles Day gefeiert. Eines der inzwischen weltweit grössten Shopping-Ereignisse, das selbst den Prime Day von Amazon wie eine Amateurveranstaltung aussehen lässt.

Mitte der 90er-Jahre wurde in China die Idee für einen «Singles Day» geboren. An diesem Tag, ursprünglich eine von jungen Männern dominierte Veranstaltung, wurde kräftig gefeiert. Und auf Blind-Date-Partys versucht, dem Singledasein wieder zu entkommen. Als Datum stand von Beginn an der 11.11. fest. Die vier Einsen stehen dabei für «Single». Und wie dies bei viralen Veranstaltungen so ist, nutzten auch immer mehr Händler die Feierlaune, um mit besonderen Angeboten auf sich aufmerksam zu machen. Die Idee dahinter ist verblüffend einfach. Denn wer alleinstehend ist, muss nicht für eine Familie oder einen Partner sorgen, hat also auch mehr Geld zur Verfügung, um es für Konsum auszugeben.

Nunmehr ist der Singles Day das weltweit grösste Shopping-Ereignis, das die Grenzen Chinas überschritten hat und international an Bedeutung gewinnt. So nimmt das Interesse der Konsumenten in Deutschland und der Schweiz an diesem Event zu. Das zeigen die jährlich steigenden Suchanfragen bei Google.

Singles Day ist in der Unterhaltungs- und Handelsbranche fest verankert

Die Vernetzung über das Internet führt zwangsläufig dazu, dass bisher lokal begrenzte Sonderaktionen des Handels über die Landesgrenzen hinaus an Popularität gewinnen. Das war bereits mit dem amerikanischen «Black Friday» so und setzt sich mit dem Singles Day fort. Nicht ganz ausgeschlossen ist, dass sich Amazon bei seinem Prime Day, der sich an die Mitglieder des Kundenbindungsprogramms wendet, vom Singles Day inspirieren liess. Doch während man bei Amazon Mitglied sein muss, stehen die Angebote am Singles Day allen Konsumentinnen und Konsumenten offen.

Beim Singles Day machen nicht nur Händler in China mit. Die Kunden können auch Rabattcoupons für Onlinespiele und In-App-Käufe ergattern oder Filme preiswerter streamen. Und viele Anbieter beginnen mit den ersten Angeboten auch bereits einige Tage vor dem eigentlichen Ereignis. Auch das ist typisch für solche Veranstaltungen.

Rekorde, Rekorde, Rekorde

Nun lässt sich Amazon nicht gern in die Karten schauen, wenn es um Verkaufszahlen geht. So gehen Experten davon aus, dass der Prime Day im Jahr 2019 ein Bruttowarenvolumen (GMV) zwischen 5 und 6 Milliarden Dollar gebracht hat (auf Englisch).

Das toppt der chinesische E-Commerce-Gigant Alibaba indes locker. Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen 38,4 Milliarden Dollar umgesetzt und mit einem Plus von 26 Prozent gegenüber dem Vorjahr einen neuen Rekordwert aufgestellt. Bereits in den ersten zwei Minuten des Shopping-Events hatten die Kunden Waren im Wert von einer Milliarde Dollar bestellt. Und schon am Nachmittag wurde dann der Vorjahreswert übertroffen.

Ob es auch in diesem Jahr zu einem neuen Rekord reicht, bleibt abzuwarten. Denn auch die chinesische Wirtschaft ist von der Corona-Krise getroffen. Ob den Konsumenten das Geld so locker in der Tasche sitzen wird, wie es noch in den Vorjahren der Fall war, muss sich noch erweisen.

Die Vorbereitungen laufen jedenfalls bereits auf Hochtouren.

Chancen für Händler

Auch in diesem Jahr rechnen ausländische Markenhersteller mit guten Geschäften. Die Popularität des Singles Day wächst unter amerikanischen und europäischen Markenherstellern. So wird Nike ein Sondermodell seines Sneakers Air Jordan auf den Markt bringen (auf Englisch). Und mit Dior bringt der erste Luxushersteller sogar eine eigene Kapselkollektion exklusiv heraus (auf Englisch).

Schon allein aufgrund der medialen Aufmerksamkeit ist der Singles Day für Händler interessant. Der Kreis der Unternehmen, die anlässlich des Singles Day in ihren Shops besondere Angebote platziert haben, ist lang. Darunter sind etwa MediaMarkt, Bonprix, Hunkemöller, Otto, H&M, Flaconi oder Yves Rocher.

Es gibt somit auch für Händler aus der Schweiz gute Gründe dafür, das Event aufzugreifen. Auch wenn im ersten Jahr die Umsätze keine Rekordhöhen erreichen werden. Das muss auf längere Sicht ja nicht so bleiben.

Stephan Lamprecht, Journalist

Stephan Lamprecht begleitet seit zwei Jahrzehnten als Journalist und Berater das E-Commerce-Geschehen in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

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