Was meint eigentlich das Publikum?

Podcasts Was findet eigentlich das Publikum?

Publiziert am 27. September 2021 von Erik Thurnherr, Inhaber der Firma Texetera

Wer einen Podcast produziert, ist in guter Gesellschaft. Immer mehr Privatpersonen und Firmen nutzen Podcasts, um Informationen, Unterhaltung, Meinungen, Werbung oder alles zusammen zu verbreiten. Aber ob und von wem der Podcast gehört wird und vor allem, wie er ankommt, wissen die wenigsten.

Podcasts haben sich von einem Nischenphänomen zu einem weltweiten Trend, wenn nicht sogar zu einem Hype gewandelt. Diese Entwicklung vollzog sich in den letzten 25 Jahren dank verschiedenen technischen, aber auch inhaltlichen Treibern (RSS, iTunes, Podcast-Apps, «Serial», «The Daily», Spotify u. v. m.).

Getrieben wurde die Entwicklung von einer grossen Zahl unabhängiger Podcasterinnen und Podcaster. Audiofans konnten plötzlich selbst Radiosendungen machen und verbreiten. Das war zuvor den etablierten Anstalten vorbehalten gewesen. Befeuert wird der Trend aber auch von einer Goldgräberstimmung, in der davon gesprochen wird, wie reich man mit einem Podcast werden kann. Dass es nur den wenigsten gelingt, ein Massenpublikum zu erreichen, hält Einzelpersonen, Unternehmen und Medienkonzerne nicht davon ab, es wenigstens zu versuchen. Und so steigt die Zahl der abonnierbaren Podcasts stetig an – auf aktuell über zwei Millionen, wobei diese Zahl umstritten ist und auch bald überholt sein wird.

Auf der Strecke bleibt bei diesem ganzen Hype oft die Frage, wer denn all diesen Inhalt überhaupt hört. Ob ein Podcast, der heruntergeladen wird, auch wirklich konsumiert wird, lässt sich nur schwer feststellen. Es gibt zwar immer mehr Studien, die das Hörverhalten in verschiedenen Ländern untersuchen. Und durch Spotify und andere Anbieter wird Podcast-Streaming immer üblicher und es stehen dadurch immer bessere Zahlen zur Verfügung. Dennoch tappen wir oft noch im Dunkeln, wenn es um die quantitative Hörerforschung geht.

Noch schwieriger wird es, wenn es um qualitative Hörerforschung geht. Zwar gibt es die Möglichkeit, Podcasts mit einem Sternchen zu bewerten. Doch wer macht das schon? Und während Enthusiasten in den Anfängen davon sprachen, dass Podcasts eine «partizipative Kultur» beflügeln würden, ist diese Hoffnung einer Ernüchterung gewichen: Wer einen Podcast produziert, erhält nur sehr selten Feedback von Leuten, die diesen Podcast hören. Und – was die Sache nicht einfacher macht – sucht dieses Feedback oft gar nicht. Der Medienforscher James G. Robinson zeigt auf, dass Journalistinnen und Journalisten sich ihr Publikum lieber vorstellen, als es zu kennen. Das gilt leider oft auch für die Macherinnen und Macher von Podcasts.

Was tun? Mittelfristig werden Zahlen zum Podcast-Konsum besser werden – sowohl dank Studien als auch dank den Analytics der Anbieter. Zu erwarten ist auch, dass die Podcast-Apps irgendwann bessere Feedback-Möglichkeiten enthalten werden. Doch bis dahin sollte, wer einen Podcast nicht nur für sich selbst produziert, das Feedback selber einholen. Das Publikum einladen, Reaktionen einzusenden. Eine Webseite mit Kommentarfunktion einrichten. Ein Forum zum Podcast betreiben. Hörerinnen und Hörer im Podcast zu Wort kommen lassen. Auf Clubhouse (ja, das gibt es noch!) über einen Podcast diskutieren. Es gibt unzählige Möglichkeiten, den Kontakt mit dem Publikum zu pflegen.

Podcasting hat es einfach gemacht, zu den Menschen zu sprechen. Diesen Menschen auch zuzuhören, ist schwieriger, aber mindestens ebenso wichtig.


Die Connecta Bern wird auch 2021 aufgrund der aktuellen Lage digital durchgeführt. Die Vielfalt der Digitalisierung, welche die Connecta auszeichnet, wird neben dem Connecta Blog in den Formaten Connecta TV und Connecta Talk aufgegriffen. Hier erfahren Sie mehr: www.post.ch/connecta

Erik Thurnherr

Erik Thurnherr ist Inhaber der Firma Texetera, die Audioguides, Podcasts, Video-Tutorials und andere Arten der audiovisuellen Kommunikation produziert. Vor langer Zeit war er Wissenschaftsredaktor bei SRF und davor Elektroingenieur. Weil Wissen bekanntlich veraltet, hat er kürzlich noch einen Master in Digital Management gemacht. Dieser Text fasst einige Erkenntnisse seiner Masterarbeit zusammen.

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