Smart Data Leadership: Wie entscheide ich besser als Schimpansen?



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Digitalisierung Smart Data Leadership: Wie entscheide ich besser als Schimpansen?

Publiziert am 01.10.2020, Dr. Ingo Gächter

Wenn wir Schimpansen fragen, «wissen» sie mehr als Führungskräfte und Lehrerinnen und Lehrer, die Fragen zu Fakten unserer Welt beantworten. Daten helfen, die Realität besser zu verstehen und Entwicklungen positiver zu sehen. Wie können wir Führungskräften helfen, auf der Grundlage ihrer Daten bessere Entscheidungen zu treffen?

Fragt man Menschen, ob die Welt besser oder schlechter wird, antwortet eine deutliche Mehrheit: «Die Welt wird schlechter.» Hans Rosling zeigt in seinem Buch «FACTFULNESS» (2018), dass unsere Welt im Laufe der letzten Jahrzehnte besser geworden ist. «Our World in Data» u. a. zeigt das gleiche Bild und hilft, diese Realität zu entdecken. Roslings Erkenntnis beruht auf so wichtigen Lebensaspekten wie die Entwicklung unserer Lebenserwartung, unseres Einkommens, der Kindersterblichkeit und etwas ironisch auch der Anzahl Gitarren pro Kopf. In beeindruckenden Illustrationen zeigt Rosling, dass sich die Anzahl Menschen, die in extremer Armut leben müssen, in den letzten 20 Jahren halbiert hat. Obwohl das vielleicht der grösste Erfolg unserer Epoche ist, wissen das die wenigsten Menschen: Nur 7 Prozent geben die richtige Antwort, während die überwiegende Mehrheit glaubt, die Armut bleibe gleich oder wachse.

Das Tragische dabei ist, dass auch Politikerinnen und Politiker, Medienschaffende, Führungskräfte und Universitätsdozierende bei derartigen Fragen keine besseren Ergebnisse erzielen. Schimpansen schneiden deutlich besser ab als gut ausgebildete Menschen, zeigt Rosling (2013). Während Schimpansen bei drei Multiple-Choice-Fragen auf ein Resultat von 33 Prozent richtigen Antworten kommen (logischerweise ein Drittel Wahrscheinlichkeit), glaubt die Mehrheit der Menschen, unsere Welt sei deutlich schlechter, hoffnungsloser und gewalttätiger, als sie es tatsächlich ist.

Leider gilt das auch für allzu viele Führungskräfte, deren Entscheidungen grosse Auswirkungen haben. Warum fällen sie ihre Entscheidungen nicht auf der Basis von Daten, die sie seit langem zur Verfügung hätten? Warum schlagen sie in einfachen Tests nicht einmal Schimpansen? In zahlreichen Unternehmen hat mich das an den Rand der Verzweiflung getrieben, wenn ich die Auswirkungen derart falscher Entscheidungen sah.

Es ist längst an der Zeit, Führungskräfte mehr zur Verantwortung zu ziehen, wenn es um Smart Data Leadership geht. In dieser Hinsicht ist von Führungskräften nicht mehr gefordert, als dass sie sich öffnen für neue, datengetriebene Wege der Entscheidungsfindung, die uns verschiedene Technologien seit Jahren bieten.

In unseren Forschungs- und Consulting-Projekten am Business Department der HSLU helfen wir Managern und Führungskräften, diese Technologien besser zu verstehen und zu nutzen. Wir zeigen, wie man besser als Schimpansen abschneiden und damit ganze Unternehmen in eine bessere Richtung lenken kann.

Interessant ist dabei die Frage, warum derart (oft beeindruckende und erfolgreiche) Führungspersönlichkeiten so schlechte Ergebnisse erzielen, wenn es um wichtige Fakten unserer Wirtschaftswelt geht. Nur aktiv falsches Wissen kann so schlechte Antworten verursachen – also ein «upgrade-Problem» mit veraltetem Wissen aus der Zeit, in der sie zur Schule gingen. Hier sind Universitäten und Weiterbildungszentren gefordert, bessere Unterrichtsmethoden und Materialien zu entwickeln.

Leider ist veraltetes Wissen aber nicht der einzige Grund für schlechte Ergebnisse, wie auch Rosling weiter ausführt. Neben der beschränkten Innovationsfreude gegenüber neuen Smart-Data-Technologien ist unter anderem auch unser Negativinstinkt dafür verantwortlich. Das ist die Tendenz, dass wir Negatives stärker wahrnehmen als Positives. Das Eis in der Antarktis schmilzt, Kinder sterben vor Hunger und ein kleiner Virus macht uns alle fertig. Diesen Negativinstinkt habe ich schon in meinem ersten Job als Journalist schmerzlich erfahren: In unserem jugendlichen Optimismus wollten wir neben Korruptions- und Umweltskandalen auch positive Nachrichten schreiben. Leider hat diese aber fast niemand gelesen, sodass wir – unter dem üblichen Quotendruck – rasch wieder weit überwiegend auf negative News setzen mussten. Können wir die Medien dafür verantwortlich machen? Wohl kaum, weil diese zunehmend nur eine Art Spiegel der Gesellschaftspräferenzen darstellen. Naturgemäss umso stärker, je mehr «Social» diese Medien sind.

Und was lernen wir jetzt daraus?

Eine positive Einstellung verhilft Menschen zu einem besseren Leben und Unternehmen zu besseren Ergebnissen. Das zeigen zahlreiche Studien von Martin Seligman bis Willibald Ruch, seinem Partner an der Universität Zürich.

Wenn wir uns zusätzlich öffnen und uns über neue Smart-Data-Technologien freuen können (statt sie ängstlich abzulehnen), dann sind bessere und nachhaltigere Entscheidungen so gut wie garantiert.

Führungskräfte in KMU, Konzernen und Organisationen können ausnahmslos auf uns zukommen und somit dafür sorgen, dass ihre Entscheidungen in Zukunft mehr forschungs- und faktenbasiert sind. Das führt nicht nur zu besseren Geschäftsergebnissen, sondern freut langfristig auch den Grossteil ihrer Mitarbeitenden. Es geht letztlich also um die Verbesserung von Verhaltensmustern. Ein kleiner Virus namens COVID-19 lehrt uns: Es ist möglich. Menschen können das. Die Frage ist: Können wir nur, wenn wir müssen? Wir sehen uns wieder und darauf freue ich mich.

Die Connecta kann leider nicht wie geplant durchgeführt werden. Dr. Ingo Gächter wäre einer der 80 Referierenden gewesen. Mit Connecta TV, Dok und Talk wartet ein alternatives Programm auf Sie – Erfahren Sie mehr dazu unter www.post.ch/connecta.

Dr. Ingo Gächter

Forscher & Dozent für Onlinemarketing & Data Science @HSLU.

Academic Board Member @Davos Digital Forum.

Als langjähriger ehemaliger Google-Partner leitet Dr. Ingo Gächter Forschungs- & Consulting-Projekte in den Bereichen Smart Data Leadership, Digitalisierung und Kommunikation.

Zahlreiche Unternehmen und Startups vertrauen seinem Rat, u. a. NOVARTIS, IBM, ABB, BIS (Bank of International Settlements), deeptrue.com und YAPEAL.ch.

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