Secondhand ist kein Nischenmarkt mehr – es ist die neue Normalität

Frau fotografiert einen Hut und Pullover am Boden (Bild von oben Aufgenommen)

Frau fotografiert einen Hut und Pullover am Boden (Bild von oben Aufgenommen)

Kreislauflogistik Secondhand ist kein Nischenmarkt mehr – es ist die neue Normalität

04.08.2026  |  Sarah Kaiser, Business Development Circular Economy, Post CH AG und Björn Respondek, Associate Client Service Director, Ipsos Schweiz

Drei von vier Menschen in der Schweiz haben schon einmal einen gebrauchten Artikel gekauft oder verkauft. Zwei Drittel davon sogar beides. Was vor wenigen Jahren noch als Nische für Sparfüchse und Nachhaltigkeits-fans galt, ist längst im Alltag angekommen und wächst schneller als der klassische Online-Handel mit Neuware.

Wir haben gemeinsam mit Ipsos erstmals im grossen Stil nachgefragt: Wer kauft und verkauft in der Schweiz secondhand, warum tut er oder sie das und wo hakt es noch? Die Ergebnisse der repräsentativen Befragung (n=1'000) zeigen ein Bild, das für Handel, Plattformen und Logistik gleichermassen relevant ist.

Ein Markt von CHF 1.7 Milliarden und er wächst weiter

Der Schweizer Online-Secondhand-Markt (ohne Fahrzeuge und Immobilien) wird bereits auf rund CHF 1.7 Milliarden geschätzt. Gemäss Carpathia wächst global das Segment um satte 10 Prozent pro Jahr – die Schweiz liegt zwar noch rund zwei Jahre hinter Europa zurück, holt aber spürbar auf.

Wer kauft, verkauft meist auch

Eine der auffälligsten Erkenntnisse: Secondhand ist kein Käufer- oder Verkäufer-Phänomen, sondern beides zugleich. 65 Prozent der Befragten sind Hybride – sie kaufen und verkaufen gebrauchte Artikel. Auffällig zurückhaltender beim Kauf zeigt sich die Altersgruppe der 51- bis 65-Jährigen, während Haushalte mit tieferem Einkommen seltener verkaufen als der Durchschnitt.

Sparen schlägt Nachhaltigkeit

Der Hauptgrund, secondhand zu kaufen, ist unromantisch, aber ehrlich: Geld sparen (68%). Nachhaltigkeit spielt ebenfalls eine wichtige Rolle (39%) und mehr Budget für andere Dinge (38%), folgt dahinter. Auf der Verkaufsseite dominieren Platz schaffen (62%) und Geld verdienen (61%).

Die grösste Bremse: Unsicherheit

Wer noch nie secondhand gekauft hat, nennt vor allem einen Grund: Unsicherheit über den Zustand der Ware (48%). Das erklärt auch, wonach sich Käuferinnen und Käufer am meisten wünschen, um öfter zuzuschlagen – Echtheitsbestätigungen, Garantien und die Abholung direkt zuhause. KI-basierte Zustandsschätzungen? Spielen erstaunlich wenig eine Rolle.

Ricardo dominiert, aber Social Commerce holt auf

Online-Marktplätze bleiben mit 50 Prozent der meistgenutzte Kanal – Ricardo.ch ist mit Abstand Marktführer. Aber: Social Media (35% bei Käufern) ist längst zum ernstzunehmenden zweiten Kanal geworden, insbesondere in der Westschweiz, wo Facebook, Instagram und TikTok überdurchschnittlich stark performen, während die Deutschschweiz eher auf klassische Marktplätze setzt.

Das ungenutzte Potenzial in Schweizer Kleiderschränken

In einer Studie von Mustapha et al. (2022) findet sich eine besonders aufschlussreiche Erkenntnis für alle, die im Handel oder in der Logistik tätig sind: Millionen von Artikeln – allen voran Kleidung – liegen ungenutzt in Schweizer Haushalten. Zu aktivieren, was längst vorhanden ist, ist nicht nur ein wirtschaftliches Potenzial, sondern auch ein handfester Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit.

Was die Studie noch verrät

In der vollständigen Studie finden Sie zusätzlich:

  • Detaillierte Profile von Käuferinnen und Verkäufern auf den 9 wichtigsten Schweizer Plattformen (Ricardo, Tutti, Anibis, Ebay, Digitec Galaxus und weitere)
  • Regionale Unterschiede nach Sprachregion
  • Warum ausgerechnet die 30- bis 39-Jährigen zu den «Super-Secondhandern» der Schweiz zählen
  • Welche Produktkategorien beim Wiederverkauf an ihre Grenzen stossen und warum
  • Konkrete Handlungsempfehlungen für Handel, Plattformen und Logistik

Externe Quelle: https://blog.carpathia.ch/2025/09/11/update-2025-zu-schweizer-secondhand-plattformen/
Externe Quelle: https://www.mdpi.com/2071-1050/14/1/487

Laden Sie sich jetzt die vollständige Studie «Re-Commerce Schweiz» herunter und erfahren Sie, wie sich der Markt für Kauf und Verkauf durch Privatpersonen in den kommenden Jahren entwickeln dürfte.

Studie jetzt kostenlos herunterladen

Sarah Kaiser

Sarah Kaiser arbeitet als Solution Managerin Kreislaufwirtschaft bei der Schweizerischen Post und entwickelt gemeinsam mit Kunden innovative Logistiklösungen, die Kreislaufwirtschaft fördern – von der Idee bis zum erfolgreichen Rollout.

Portrait Sarah Kaiser

Björn Respondek

Björn ist Marktforscher bei Ipsos Switzerland. In dieser Funktion konzipiert und betreut er nationale sowie internationale Studien u.a. zum Konsumentenverhalten und zu digitalen Markttrends. Dabei übersetzt er komplexe Daten in strategische Insights, um Unternehmen bei fundierten Entscheidungen zu unterstützen.

Portrait Björn Respondek

Kontaktieren Sie uns

Sie haben Fragen an unsere Experten oder benötigen Beratung? Wir sind für Sie da!

Zum Kontakt