Frau fotografiert einen Hut und Pullover am Boden (Bild von oben Aufgenommen)
Kreislauflogistik Secondhand ist kein Nischenmarkt mehr – es ist die neue Normalität
Drei von vier Menschen in der Schweiz haben schon einmal einen gebrauchten Artikel gekauft oder verkauft. Zwei Drittel davon sogar beides. Was vor wenigen Jahren noch als Nische für Sparfüchse und Nachhaltigkeits-fans galt, ist längst im Alltag angekommen und wächst schneller als der klassische Online-Handel mit Neuware.
Wir haben gemeinsam mit Ipsos erstmals im grossen Stil nachgefragt: Wer kauft und verkauft in der Schweiz secondhand, warum tut er oder sie das und wo hakt es noch? Die Ergebnisse der repräsentativen Befragung (n=1'000) zeigen ein Bild, das für Handel, Plattformen und Logistik gleichermassen relevant ist.
Ein Markt von CHF 1.7 Milliarden und er wächst weiter
Der Schweizer Online-Secondhand-Markt (ohne Fahrzeuge und Immobilien) wird bereits auf rund CHF 1.7 Milliarden geschätzt. Gemäss Carpathia wächst global das Segment um satte 10 Prozent pro Jahr – die Schweiz liegt zwar noch rund zwei Jahre hinter Europa zurück, holt aber spürbar auf.
Wer kauft, verkauft meist auch
Eine der auffälligsten Erkenntnisse: Secondhand ist kein Käufer- oder Verkäufer-Phänomen, sondern beides zugleich. 65 Prozent der Befragten sind Hybride – sie kaufen und verkaufen gebrauchte Artikel. Auffällig zurückhaltender beim Kauf zeigt sich die Altersgruppe der 51- bis 65-Jährigen, während Haushalte mit tieferem Einkommen seltener verkaufen als der Durchschnitt.
Sparen schlägt Nachhaltigkeit
Der Hauptgrund, secondhand zu kaufen, ist unromantisch, aber ehrlich: Geld sparen (68%). Nachhaltigkeit spielt ebenfalls eine wichtige Rolle (39%) und mehr Budget für andere Dinge (38%), folgt dahinter. Auf der Verkaufsseite dominieren Platz schaffen (62%) und Geld verdienen (61%).
Die grösste Bremse: Unsicherheit
Wer noch nie secondhand gekauft hat, nennt vor allem einen Grund: Unsicherheit über den Zustand der Ware (48%). Das erklärt auch, wonach sich Käuferinnen und Käufer am meisten wünschen, um öfter zuzuschlagen – Echtheitsbestätigungen, Garantien und die Abholung direkt zuhause. KI-basierte Zustandsschätzungen? Spielen erstaunlich wenig eine Rolle.
Ricardo dominiert, aber Social Commerce holt auf
Online-Marktplätze bleiben mit 50 Prozent der meistgenutzte Kanal – Ricardo.ch ist mit Abstand Marktführer. Aber: Social Media (35% bei Käufern) ist längst zum ernstzunehmenden zweiten Kanal geworden, insbesondere in der Westschweiz, wo Facebook, Instagram und TikTok überdurchschnittlich stark performen, während die Deutschschweiz eher auf klassische Marktplätze setzt.
Das ungenutzte Potenzial in Schweizer Kleiderschränken
In einer Studie von Mustapha et al. (2022) findet sich eine besonders aufschlussreiche Erkenntnis für alle, die im Handel oder in der Logistik tätig sind: Millionen von Artikeln – allen voran Kleidung – liegen ungenutzt in Schweizer Haushalten. Zu aktivieren, was längst vorhanden ist, ist nicht nur ein wirtschaftliches Potenzial, sondern auch ein handfester Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit.
Was die Studie noch verrät
In der vollständigen Studie finden Sie zusätzlich:
- Detaillierte Profile von Käuferinnen und Verkäufern auf den 9 wichtigsten Schweizer Plattformen (Ricardo, Tutti, Anibis, Ebay, Digitec Galaxus und weitere)
- Regionale Unterschiede nach Sprachregion
- Warum ausgerechnet die 30- bis 39-Jährigen zu den «Super-Secondhandern» der Schweiz zählen
- Welche Produktkategorien beim Wiederverkauf an ihre Grenzen stossen und warum
- Konkrete Handlungsempfehlungen für Handel, Plattformen und Logistik
Externe Quelle: https://blog.carpathia.ch/2025/09/11/update-2025-zu-schweizer-secondhand-plattformen/
Externe Quelle: https://www.mdpi.com/2071-1050/14/1/487
Laden Sie sich jetzt die vollständige Studie «Re-Commerce Schweiz» herunter und erfahren Sie, wie sich der Markt für Kauf und Verkauf durch Privatpersonen in den kommenden Jahren entwickeln dürfte.