Person im Hintergrund Zeigt auf einen Ladebalken (2025 bis 2026) im Vordergrund
Rückblick 2025 und Ausblick 2026 Plattformen und KI prägen den Schweizer E-Commerce!
Nach einer Phase der Anpassung und Konsolidierung markierte 2025 einen wichtigen Reifeschritt für den Schweizer Onlinehandel. Statt starkem Wachstum standen Stabilisierung, Professionalisierung und klarere Rahmenbedingungen im Fokus. Gleichzeitig wurden zentrale Grundlagen gelegt, die den digitalen Handel auch 2026 prägen werden.
Rückblick 2025: Ein Jahr der strukturellen Reife
Der Schweizer E-Commerce erwies sich 2025 als widerstandsfähig, befand sich jedoch in einem Spannungsfeld. Das Wachstum blieb moderat und fiel je nach Marktposition und Region unterschiedlich aus. Getrieben wurde die positive Entwicklung vor allem durch Effizienzgewinne dank des verstärkten Einsatzes von künstlicher Intelligenz. Gleichzeitig führten neue regulatorische Vorgaben im Bereich der Mehrwertsteuer zu einer weiteren Konsolidierung. Davon profitierten insbesondere etablierte Anbieter mit hoher Wiederkaufsrate, während kleinere Händler stärker unter Druck gerieten. Der Markt wurde reifer, aber auch wettbewerbsintensiver.
Marktplätze wie Galaxus, Zalando, Amazon oder Ricardo festigten 2025 ihre Rolle als zentrale Vertriebskanäle im Schweizer Onlinehandel. Durch die Nutzung etablierter Marktplätze können Händler technische und operative Hürden überspringen und direkt von der grossen Reichweite sowie dem gewachsenen Kundenvertrauen der Plattformen profitieren. Gerade im vergleichsweise kleinen Schweizer Binnenmarkt sind Marktplätze ein wichtiger Enabler für Skalierung, Sichtbarkeit und Marktzugang.
Temu baute 2025 seine Präsenz weiter aus und öffnete im September erstmals ein Marktplatzmodell für Schweizer Händler. Schweizer Unternehmen können ihre Produkte seither direkt an Schweizer Kundinnen und Kunden verkaufen und aus lokalen Lagern versenden. Das Modell eröffnet zusätzliche Absatzmöglichkeiten, wird jedoch aufgrund teils strikter Preisvorgaben von Branchenvertreterinnen und -vertretern auch kritisch beurteilt, insbesondere mit Blick auf die Margensituation.
Der grenzüberschreitende Onlinehandel blieb auch 2025 ein relevanter Bestandteil des Schweizer E-Commerce, allerdings unter veränderten Rahmenbedingungen. Mit der Einführung der Plattformbesteuerung führten neue steuerliche Regelungen dazu, dass die Mehrwertsteuer im Onlinehandel vermehrt direkt beim Kauf abgewickelt wird.
Zusammen mit den definitiven Mehrwertsteuersätzen von 8,1 Prozent (Normalsatz) und 2,6 Prozent (reduzierter Satz) sorgte dies für mehr Transparenz und fairere Wettbewerbsbedingungen. Für Händler erhöhte sich die Planungssicherheit, während Konsumentinnen und Konsumenten von klareren und konsistenteren Preisstrukturen profitierten.
Das Konsumverhalten war 2025 klar von Preissensibilität geprägt. Konsumentinnen und Konsumenten verglichen intensiver, nutzten Aktionen gezielt und trafen bewusstere Kaufentscheidungen. Gleichzeitig blieben Zuverlässigkeit, einfache Nutzung, transparente Preise und Vertrauen zentrale Kaufkriterien.
Der Social Commerce konnte sich in der Schweiz weiterhin nicht breit etablieren, auch aufgrund eingeschränkter Nutzungsmöglichkeiten. Stattdessen gewannen Servicequalität, Markenvertrauen und reibungslose, konsistente Einkaufserlebnisse weiter an Bedeutung.
Secondhand- und Re-Commerce-Modelle entwickelten sich 2025 weiter vom Nischensegment zu einem festen Bestandteil des digitalen Handels. Refurbished-Produkte, Wiederverkaufsmodelle und Rücknahmesysteme wurden zunehmend in bestehende Geschäftsmodelle integriert. Nachhaltigkeit wurde damit konkreter und entwickelte sich von einem Imagefaktor zu einem wirtschaftlich relevanten Element.
Künstliche Intelligenz prägte den Schweizer E-Commerce 2025 deutlich. KI wurde produktiv eingesetzt, etwa für Produktinhalte, Personalisierung, Nachfrageprognosen, im Kundenservice sowie zur Optimierung von Lagerhaltung und Logistik.
Der Fokus lag weniger auf Experimenten als auf messbarem Nutzen. KI entwickelte sich vom Innovationsthema zu einem festen Bestandteil des operativen Alltags und trug spürbar zur Effizienzsteigerung und Qualitätsverbesserung bei.
Fazit Rückblick 2025
Der Schweizer Onlinehandel gewann 2025 deutlich an Reife. Marktplätze etablierten sich weiter als zentrale Wachstumspartner, KI wurde operativ verankert und regulatorische Anpassungen sorgten für klarere Rahmenbedingungen. Der Markt wurde stabiler, transparenter und professioneller, zugleich aber auch kompetitiver.
Ausblick 2026: Fokus, Vertiefung und gezielte Weiterentwicklung
Nach der Phase der Konsolidierung wird 2026 weniger von grundlegenden Umbrüchen geprägt sein, sondern von der konsequenten Weiterentwicklung bestehender Strategien. Viele der im Jahr 2025 angestossenen Veränderungen entfalten nun ihre Wirkung und verlangen nach klaren Prioritäten, technologischer Vertiefung und operativer Exzellenz.
Händler werden 2026 noch präziser definieren, welche Rolle Marktplätze im eigenen Geschäftsmodell einnehmen. Ob als primärer Vertriebskanal, Reichweitenhebel oder gezielte Ergänzung zum eigenen Onlineshop: Plattformstrategien werden bewusster, datenbasierter und stärker differenziert. Die Erfahrungen der letzten Jahre führen zu klareren Entscheidungen und besser integrierten Omnichannel-Ansätzen.
Der Einsatz von künstlicher Intelligenz verlagert sich 2026 von einzelnen Anwendungen hin zu durchgängigen, datengetriebenen Prozessen. KI wird zunehmend strategisch eingesetzt, etwa zur Sortimentssteuerung, dynamischen Preisgestaltung oder personalisierten Kundenansprache. Unternehmen mit integrierten Systemen und hoher Datenqualität werden sich klar differenzieren können.
Die Preissensibilität wird auch 2026 hoch bleiben. Gleichzeitig steigen die Erwartungen an Transparenz, Nachhaltigkeit und Service weiter. Konsumentinnen und Konsumenten erwarten einfache, verlässliche und konsistente Einkaufserlebnisse über alle Touchpoints hinweg. Vertrauen bleibt ein zentraler Erfolgsfaktor.
Auch 2026 bleiben regulatorische Entwicklungen relevant, insbesondere im Zusammenhang mit dem EU-Markt. Themen wie digitale Produktinformationen für den Export, E-Rechnungspflichten und neue Zollprozesse werden für Schweizer Händler weiter an Bedeutung gewinnen und zusätzliche Anforderungen an Systeme und Prozesse stellen.
Secondhand-, Reparatur- und Rückkaufmodelle werden sich 2026 weiter etablieren und professionalisieren. Kreislaufwirtschaft entwickelt sich zunehmend zu einem festen Bestandteil moderner Handelsstrategien und verbindet ökologische Verantwortung mit wirtschaftlichem Potenzial.
Schlussgedanke
Der Schweizer E-Commerce hat 2025 eine stabile und belastbare Basis geschaffen. 2026 wird zeigen, welche Unternehmen diese nutzen, um Plattformen, KI und klare Rahmenbedingungen gezielt als Wachstumstreiber einzusetzen. Die Voraussetzungen dafür sind gegeben.