Paketbote übergibt ein Paket an Kundin (Post-Elektrofahrzeug im Hintergrund)
Übergabepunkte der Zukunft Wie die Schweiz ihre Briefe und Pakete künftig versenden und empfangen will
Welche Kanäle bevorzugt die Schweizer Bevölkerung für den Versand und Empfang von Briefen und Paketen heute, und wo liegt das Potenzial für neue Lösungen? Eine Studie von Customer & Market Insights der Schweizerischen Post in Zusammenarbeit mit YouGov Schweiz liefert Antworten.
Versand heute: Die Filiale oder Filiale mit Partner ist beliebtester Abgabeort
Wenn es ums Versenden von Briefen und Paketen geht, bleibt der Gang in die Filiale die klare Nummer eins. Die Postfiliale oder die Filiale bei einem Partner ist über alle Gebiete der Schweiz – von stark urban bis stark ländlich – der am häufigsten genutzte Abgabeort für Briefe und Pakete, dies besonders in ländlichen Regionen. In den Städten zeigt sich ein etwas differenzierteres Bild: Hier nutzen deutlich mehr Privatkundinnen und -kunden alternative Optionen wie pick@home, bei der Pakete bequem zu Hause abgeholt werden, oder My Post 24-Automaten, die rund um die Uhr zugänglich sind. Letzteres ist auch verständlich, weil Automaten in urbanen Gebieten häufiger vorkommen. Vor allem jüngere Menschen zwischen 15 und 44 Jahren setzen häufiger auf diese beiden Versandoptionen als ältere Generationen.
Versandpräferenzen: Alternative Abgabeorte gewinnen an Bedeutung
Und wie sieht es morgen aus? Auch in Zukunft bleibt die Filiale oder Filiale mit Partner bei den Schweizerinnen und Schweizern der bevorzugte Abgabeort für Briefe und Pakete mit einem Durchschnittswert von 4,7 auf einer Skala von 1 bis 6. Mit zunehmender Urbanität nimmt die Präferenz für Filialen jedoch leicht ab, gleichzeitig steigt die Offenheit gegenüber alternativen Kanälen. Hervorzuheben ist, dass in der Studie auch eine Versandart abgefragt wurde, die derzeit in der Schweiz noch nicht existiert: der freistehende Paketeinwurf, bei dem Pakete ähnlich wie Briefe eingeworfen werden könnten. In stark urbanen Gebieten können sich signifikant mehr Menschen vorstellen, künftig den Paketeinwurf oder Automaten für das Versenden zu nutzen, als in ländlichen Regionen. Auch jüngere Kundinnen und Kunden zeigen vergleichsweise eine höhere Bereitschaft als ältere, den Paketeinwurf, die Abholung zu Hause (pick@home) oder den Automaten zu nutzen.
Besonders spannend wird es beim Blick auf das Potenzial, wenn die heutige Nutzung mit der künftigen Präferenz verglichen wird. Die Dienstleistung pick@home wird heute durchschnittlich von 15 Prozent der Befragten genutzt, für fast doppelt so viele (29 Prozent) könnte sie in Zukunft ein wichtiger Versandkanal werden (Potenzial = +14 Prozent). Ein ähnliches Bild bei den Automaten: 9 Prozent nutzen sie, insgesamt 21 Prozent könnten sich vorstellen, diese Lösung künftig zu nutzen (Potenzial = +12 Prozent). Zudem könnten weitere 3 Prozent (pick@home) bzw. 7 Prozent (Automat) der unentschlossenen Personen (weiss nicht) von den erwähnten Versandarten überzeugt werden.
Empfang heute: Zuhause ist Trumpf
Beim Empfang von Sendungen ist das Bild klar: 89 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer lassen sich ihre Pakete nach Hause liefern. Nur Menschen, die in stark urbanen Gebieten wohnhaft sind, weichen etwas von dieser Norm ab.
Empfangspräferenzen: Nähe schlägt alles
Beim Empfang von Briefen und kleineren Paketen bevorzugen Schweizerinnen und Schweizer mit einem Durchschnittswert von 5,2 die Zustellung direkt im Briefkasten bzw. Milchkasten oder die persönliche Zustellung durch die Postbotin oder den Postboten (Ø 5,1). Gerade in ländlichen Regionen sind diese beiden Zustellarten besonders beliebt.
In Städten und bei jüngeren Menschen ist die Offenheit gegenüber neuen Formaten grösser: Gesicherte Brief-/Paketboxen am Hauseingang, Brief-/Paketautomaten in der Wohnanlage und Automaten finden dort mehr Zuspruch als auf dem Land oder bei älteren Generationen.
Paketautomaten: Die Schweiz geht ihren eigenen Weg
Ein Blick ins Ausland zeigt: In vielen nordeuropäischen Ländern – etwa in Deutschland oder Norwegen – gehören Paketautomaten längst zum Alltag beim Empfang von Sendungen. In der Schweiz hingegen ist die Zurückhaltung deutlich spürbar. Paketautomaten ausserhalb des Wohnquartiers geniessen gemäss unserer Studie nur geringe Akzeptanz. Stattdessen bevorzugen die Menschen Lösungen unmittelbar beim eigenen Zuhause – sei es die persönliche Zustellung durch die Postbotin oder den Postboten, die Zustellung im Briefkasten bzw. Milchkasten oder in einer Brief-/Paketbox direkt beim Hauseingang.
Ausblick: Vielfalt statt Einheitslösung
Die Ergebnisse zeigen deutlich: Die Zukunft der Post kennt keine Einheitslösung, sondern Vielfalt. Klassische Kanäle wie die Filialen bzw. Filialen bei Partnern oder der Empfang direkt zu Hause bleiben wichtig, doch die Nachfrage nach flexiblen alternativen Empfangs- und Versandkanälen wächst, insbesondere in urbanen Räumen und bei jüngeren Zielgruppen.
Klar ist: Eine Einheitslösung wird es nicht geben. Die Post wird künftig dort investieren, wo Akzeptanz und Potenzial am grössten sind, und so den Alltag der Menschen in der Schweiz einfacher und flexibler gestalten.
- Methodensteckbrief Übergabepunkte der Zukunft – Studie 2025 (PDF, 210.9 KB)Datei nicht barrierefrei: Online-Befragung der Schweizerischen Post in Zusammenarbeit mit YouGov Schweiz (n=1931 Privatpersonen)
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