EU-Produktpass 2026: Chance für Schweiz

Bildschirm mit einem QR-Code

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DPP-Pflicht vorbereiten EU-Produktpass 2026: Chance für Schweiz

Publiziert am 22.07.2025 von Stephan Läderach, Senior Business Consultant, aclevion AG

Schweizer Onlinehändler, die Waren in die EU exportieren, müssen sich jetzt vorbereiten – denn ohne DPP droht der Verlust dieses wichtigen Marktzugangs. Aber der Reihe nach.

Was ist der Digitale Produktpass (DPP)?

Der Digitale Produktpass (DPP) ist Teil der EU-Ökodesign-Verordnung (ESPRTarget not accessible), die nachhaltige Produkte zur Norm machen will. Dahinter stehen einerseits Nachhaltigkeitsbestrebungen der EU, andererseits handfeste wirtschaftliche Interessen: Wertvolle Rohstoffe sollen im EU-Binnenraum recycelt werden, die Abhängigkeit von Drittstaaten soll reduziert werden.

Dazu wird für jedes Produkt die Nachverfolgbarkeit über den gesamten Lebenszyklus ermöglicht. Der DPP dient dabei als digitaler «Ausweis» für physische Güter, über den Konsumentinnen und Konsumenten, Geschäftspartner und Behörden Zugang zu detaillierten Produktinformationen erhalten. Diese unterscheiden sich je nach Produktgruppe und reichen vom CO₂-Fussabdruck über Materialzusammensetzung bis hin zu Recycling-Möglichkeiten und Gebrauchsanweisungen.

Die technische Umsetzung basiert auf globalen Standards wie denen von GS1, die Produktidentifikation und Datenaustausch ermöglichen. Jeder DPP wird über einen eindeutigen Produkt-Identifier wie die GTIN (Global Trade Item Number) einem Produkt zugeordnet und über einen QR-Code oder ähnliche Datenträger zugänglich gemacht.

Warum Schweizer Händler und Hersteller betroffen sind

Der DPP betrifft nicht nur EU-Unternehmen: Alle Produkte der betroffenen Kategorien, die auf den EU-Markt gelangen, müssen unabhängig vom Herstellungsland einen entsprechenden DPP vorweisen.

Die DPP-Pflicht beginnt bereits 2026 mit Stahlprodukten. Mittelfristig werden nahezu alle materiellen Güter – auch Komponenten und Vorprodukte – einen DPP benötigen. Bis 2030 plant die EU die DPP-Pflicht für rund 30 verschiedene Produktgruppen. Priorität haben Textilien, Möbel, Elektronik, Chemikalien, Reifen und Bauprodukte.
Schweizer Unternehmen, die diese Produkte in die EU verkaufen, müssen rechtzeitig handeln, um ihre Marktpräsenz zu sichern. Onlinehändlern, die in die EU exportieren, werden im Zuge der Produktpass-Einführung neue Kontroll- und Informationspflichten zuteil. Hersteller und Importeure, die ein Produkt in der EU erstmalig in Verkehr bringen, sind für die Erstellung und Bereitstellung des digitalen Produktpasses verantwortlich.

Neue Pflichten für den Onlinehandel

Wenn sie Produkte in die EU exportieren, müssen Onlinehändler kontrollieren, ob das betroffene Produkt über den nötigen Digitalen Produktpass verfügt und mit einem entsprechenden Abrufcode versehen ist. Ist das nicht der Fall, dürfen sie das Produkt nicht anbieten. Da die Informationen vom Hersteller zur Verfügung gestellt werden, müssen Händler dies rechtzeitig mit ihren Lieferanten klären und die technische Bereitstellung in ihren Systemen organisieren.

Denn der Digitale Produktpass muss im Onlinehandel direkt in das Angebot integriert werden, zum Beispiel über einen Link auf den DPP des jeweiligen Herstellers oder Importeurs. Dies betrifft Hersteller mit eigenen Onlineshops ebenso wie reine Händler. Alle Onlinehändler müssen dafür sorgen, dass der digitale Produktpass in ihren Angeboten leicht zugänglich ist.

Und Achtung: Unter bestimmten Voraussetzungen gelten Händler im neuen EU-Recht selbst als Hersteller. Sie müssen dann für die betroffenen Produkte die Digitalen Produktpässe erstellen, pflegen und bereitstellen. Dies ist besonders dann der Fall, wenn sie Produkte unter ihrem Namen in Verkehr bringen oder Produkte so verändern, dass dadurch die Konformität beeinträchtigt wird.

Jetzt handeln und Chancen nutzen

Wer den DPP nun als reine Compliance-Anforderung betrachtet, übersieht jedoch das enorme Potenzial. Eine Vielzahl an Studien und Konsumentendaten zeigt: Glaubhafte Nachhaltigkeit steigert den Produktwert erheblich. Und der DPP macht die Nachhaltigkeit von Produkten vollständig transparent. Shops, die diese Informationen nicht nur anbieten, sondern aktiv ausweisen und zum Beispiel Produkte anhand von Nachhaltigkeitsinformationen vergleichbar machen, schaffen damit einen echten Wettbewerbsvorteil.
Und schliesslich bietet der Digitale Produktpass die Chance für neue, digitale Geschäftsmodelle. Mit dem DPP steht ein ganz neuer Kommunikationskanal direkt am Produkt zur Verfügung. Zusammen mit den Informationen des DPP wie z. B. zu Nutzung, Komponenten oder Wartung ergeben sich nahezu unendliche Möglichkeiten für exklusive Angebote, spezifische Upgrades oder personalisierte Serviceleistungen.

Empfehlungen für Schweizer Unternehmen

Schweizer Unternehmen sollten bereits jetzt mit der Planung beginnen und dabei auch ihre Lieferanten einbinden. Onlinehändler müssen sicherstellen, dass sie die Digitalen Produktpässe von den Herstellern bekommen und im Shop anzeigen können. Neue Geschäftsmodelle und Anpassungen des Shops können bereits geplant und getestet werden.
Hersteller wiederum sind gefordert, die eigenen Daten entsprechend vorzubereiten und die technische Basis für die Auslieferung des DPP zu schaffen. Es existieren dafür bereits ausgefeilte Konzepte, um den Digitalen Produktpass (DPP) Realität werden zu lassen.

Die Vorbereitung erfordert zwar sorgfältige Planung, aber mit dem richtigen Partner und einer durchdachten Strategie können Unternehmen nicht nur die gesetzlichen Anforderungen erfüllen, sondern auch die vielfältigen Chancen nutzen, die der DPP bietet.

Fazit

Der Digitale Produktpass ist weit mehr als eine regulatorische Pflicht – er ist ein Instrument für Transparenz, Nachhaltigkeit und Wettbewerbsvorteile. Schweizer Onlinehändler haben jetzt die Chance, sich als Vorreiter zu positionieren und damit nicht zuletzt ihre EU-Marktpräsenz zu stärken.

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Stephan Läderach

Senior Business Consultant, aclevion AG


Stephan hat sich während seiner langjährigen Karriere auf PIM, DAM und E-Commerce spezialisiert, u. a. bei einem Schweizer Publishing-Spezialisten und verschiedenen IT-Unternehmen. Vor aclevion war er zuletzt bei Stämpfli Kommunikation und verantwortete dort den PIM- und DAM-Bereich.

Stephan Läderach

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