Ethische und rechtliche Grundlagen der Nutzung personenbezogener Daten

Digital Ethics Ethische und rechtliche Grundlagen der Nutzung personenbezogener Daten

Publiziert am 06.09.2021 von Prof. Dr. Reinhard Riedl, Leiter des Zentrums Digital Society an der Berner Fachhochschule (BFH)

Die Nutzung personenbezogener Daten verletzt oft rechtliche Vorgaben oder ist zumindest ethisch fragwürdig. Ein klares, verantwortungsbewusstes und prinzipiengeleitetes Vorgehen ist deshalb äusserst wichtig.

Es gibt keine rechtlich korrekte, kontextfreie Verarbeitung von personenbezogenen Daten. Wo immer Daten gesammelt, gespeichert und weiterverarbeitet werden, ist es wichtig, den Kontext zu kennen. Das Anlegen von personenbezogenen Daten für eine vorläufig noch unbekannte Datennutzung ist ethisch fragwürdig und oft auch verboten. Das wichtigste Grundprinzip eines verantwortungsbewussten Umgangs mit personenbezogenen Daten lautet deshalb: Der Umgang mit den Daten muss zum jeweiligen Nutzungskontext passen. Das heisst: Es dürfen weder zu viele noch zu wenige Daten genutzt werden und die Qualität der Daten muss genügend hoch sein für den jeweiligen Verarbeitungszweck.

Generell gilt, dass Datenverarbeitungssysteme so gebaut werden sollen, dass eine missbräuchliche Nutzung mit technischen Mitteln weitgehend ausgeschlossen werden kann. Dabei soll auch der technische Fortschritt antizipiert werden, wo er neue Missbrauchsformen ermöglicht. In der Praxis wird das Potenzial der IT zum technischen Schutz der personenbezogenen Daten leider häufig nicht genutzt, weil dies zu teuer scheint oder man davon ausgeht, dass die Entscheidungsträgerinnen und -träger die technischen Konzepte nicht verstehen. Zu einem verantwortungsbewussten Umgang mit Personendaten gehört deshalb auch, dass die Führungskräfte fachlich geschult werden, wo die Gefahren liegen und was technisch alles möglich und sinnvoll ist, um diese Gefahren zu minimieren.

Zusätzlich zu den technischen sollten auch organisatorische Schutzmassnahmen getroffen werden – als Ergänzung, nicht als Ersatz des technischen Schutzes! Insbesondere sollte regelmässig überprüft werden, ob Verletzungen des Datenschutzes stattgefunden haben oder in Zukunft aufgrund des technischen Fortschritts bereits mit geringer krimineller Energie möglich sind.

Im Fall von Innovationsprojekten, die besonders schützenswerte personenbezogene Daten nutzen, ist zudem eine umfassende rechtliche Abklärung vorgängig nötig. Im Zweifelsfall sollten eher mehr als weniger technische und organisatorische Schutzmassnahmen getroffen werden. Ausserdem sollte man sich kommunikativ darauf vorbereiten, das eigene Vorgehen zu erklären, wenn es medial thematisiert wird.

Neben dem Schutz der Privatsphäre ist die Vermeidung von Diskriminierung ein Muss aus ethischer Perspektive. Personenbezogene Daten können für grundsätzlich fragwürdige Diskriminierungszwecke oder auf sachlich unzureichende Weise genutzt werden. Beides ist auch dann möglich, wenn die Daten der Betroffenen von höchster Qualität sind. Mögliche Ursachen für eine unsachgemässe Nutzung sind ein Bias bei verwendeten empirischen Daten und Designfehler. Designfehler können unter anderem bei Algorithmen, Heuristiken, Programmierung, Systemarchitektur, Design der Mensch-Maschine-Schnittstellen, Praktiken der Datenverarbeitung und Einbettung in die Geschäftsprozesse auftreten. Deshalb ist die einzige Möglichkeit, um Diskriminierung auszuschliessen, ein ganzheitliches Qualitätsmanagement, an dem alle Involvierten beteiligt werden.

 


Die Connecta Bern wird auch 2021 aufgrund der aktuellen Lage digital durchgeführt. Die Vielfalt der Digitalisierung, welche die Connecta auszeichnet, wird neben dem Connecta Blog in den Formaten Connecta TV und Connecta Talk aufgegriffen. Hier erfahren Sie mehr: www.post.ch/connecta.

 

Prof. Dr. Reinhard Riedl, Leiter des Zentrums Digital Society an der Berner Fachhochschule (BFH)

Reinhard Riedl ist Mathematiker, Informatiker und Ökonom. Er forscht zur digitalen Transformation von Staat, Gesundheitswesen, Landwirtschaft, Sport und Kunst sowie zu Themen der Rechtsinformatik. Und er begleitet Unternehmen in Transformationsprozessen.

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