Ethisches Leadership bei der Post



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Ethisches Leadership Ethisches Leadership bei der Post

Publiziert am 21.09.2020, Prof. Dr. Edy Portmann

Wir leben in einer immer technologischeren Welt. Da diese uns wenig Möglichkeiten lässt, sich der Technologie zu verschliessen, nimmt Ethik eine immer zentralere Rolle ein. Deshalb sollten wir in der Digitalisierung der Schweiz regulatorische Rahmenbedingungen schaffen, damit alle davon profitieren.

Wir leben in einer zunehmend datenzentrierten Welt. In dieser gibt es für uns praktisch keine Möglichkeit mehr, potenzielle «Überwachungstechnologien» auf Abstand zu halten. Unser Privatleben, unsere Arbeit und unsere Einwohnerdienstleistungen werden immer mehr durch Technologien geprägt. Deshalb haben Entwickler, die digitale Services rund um unsere Datenspuren entwerfen, eine zunehmende Verantwortung, ethisch vertretbare Innovationen zu schaffen. Für sie sollte Ethik mehr sein als ein Gespräch über richtig und falsch; es sollte den Entwicklern vielmehr darum gehen, das, was wir als Gesellschaft für richtig – oder falsch – halten, in unseren Technologien abzubilden.

Für Unternehmen, die diese Entwickler beschäftigen, um technologiegetriebene (Markt-)Innovationen voranzutreiben, ergeben sich neben Risiken auch grosse Chancen: Diejenigen Unternehmen etwa, die sich nicht um ethische Innovationen – beispielsweise mit «Privacy by Design» – bemühen, werden künftig wohl immer stärker von ihren Kunden abgestraft und verlieren diese. Zudem können solche Unternehmen auch ihre Entwickler verlieren, die zunehmend nach Arbeitgebern suchen, deren Bedingungen ihren – ideellen – Vorstellungen entsprechen. Unternehmen können also mit der Entwicklung ethisch vertretbarer Technologie einen Konkurrenzvorteil erlangen – oder ihn verspielen, wenn Sie diesen Gesichtspunkten zu wenig Raum geben. Was bedeutet das nun für ein Service-public-Unternehmen wie die Post?

Es ist eine Tatsache, dass moderne Produkte und Dienstleistungen Unmengen an Daten über uns und unser Verhalten sammeln. Netzwerkindustrien wie die Schweizerische Post könnten uns in dieser datenzentrierten Welt als Vermittlerin dienen, damit wir die Kontrolle über unsere Daten wiedererlangen. Es könnten Datenservices geschaffen werden, die die Gleichbehandlung aller Schweizer Einwohnerinnen und Einwohner begünstigen. Die Post könnte um die Idee eines digitalen Service public ergänzt werden, in dem sie zur «Vermittlerin unserer Einzeldaten» wird. So würden wir Konsumenten in einem nach ethischen Leitlinien regulierten Marktplatz jeweils entschädigt, wenn unsere Daten Dritten zur Verfügung gestellt werden.

Für den digitalen Service public müssen Netzwerkindustrien Verantwortung übernehmen und ihr Handeln stets hinterfragen. In der Digitalisierung geht es nun mal auch darum, wie wir das, was wir für richtig halten, umsetzen. Sie kann uns also den Dialog über unsere Werte und Verhaltensweisen vorantreiben. Dies kann auf Unternehmensebene, aber auch durch regulatorische Rahmenbedingungen geschehen. Unsere Post kann im Service-public-Kontext diesen Dialog mit innovativen Digitalservices erleichtern. Um dabei die Ethik in den Griff zu kriegen, ist es aber sehr wichtig, dass die Rahmenbedingungen die Erwartungen erfüllen. Es sollte ihr also am Herzen liegen, dass den Erwartungen auch Taten folgen; sie sollte befähigt werden, Datenprobleme im Sinne der Schweizer Bevölkerung zu lösen.

 

Die Connecta kann leider nicht wie geplant durchgeführt werden. Prof. Dr. Edy Portmann wäre einer von den 80 Referierenden gewesen. Mit Connecta TV, Dok und Talk wartet ein alternatives Programm auf Sie. Erfahren Sie mehr unter: www.post.ch/connecta.

Prof. Dr. Edy Portmann, Universität Fribourg

Prof. Dr. Edy Portmann ist Professor für Informatik und Förderprofessor der Schweizerischen Post am Human-IST Institute der Universität Fribourg. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählt das Thema Cognitive Computing sowie dessen Anwendung auf Städte. Zudem forschte er an Universitäten in Singapur, Berkeley und Bern.

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