Detailhändler in den USA locken Kunden dank E-Commerce in ihre Filialen



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Logistik Detailhändler in den USA locken Kunden dank E-Commerce in ihre Filialen

Veröffentlicht am 20.11.2019 durch Cathy Morrow Roberson, Gründerin und Head Analyst, Logistics Trends & Insights LLC, Roswell, GA 30076, USA

Wenn es nach den jüngsten Schätzungen geht, dürfen US-Detailhändler heuer mit besonders frohen Weihnachten rechnen. Laut einer Umfrage von Deloitte dürften die Detailhandelsumsätze in der Weihnachtszeit um 4,5% bis 5% zunehmen und auf über 1,1 Billionen US-Dollar zu liegen kommen. Die globale Beratungsfirma AlixPartners erwartet indessen ein Umsatzwachstum von 4,5% bis 5,3%, während die National Retail Association (NRF) davon ausgeht, dass die Umsätze im Vergleich zur Weihnachtszeit 2018 um 3,8% bis 4,2% höher ausfallen dürften.

Wichtigster Motor für das Umsatzwachstum des Detailhandels ist der E-Commerce. Die NRF erwartet für den E-Commerce in der Weihnachtszeit ein Wachstum zwischen 11% und 14%, was einem Anstieg um 162,6 Milliarden US-Dollar auf 166,9 Millarden US-Dollar entspricht.

Der E-Commerce macht etwa 10,5% des Gesamtumsatzes des US-amerikanischen Detailhandels aus und hat der Branche somit tatsächlich ein neues Gesicht verliehen. Amazon, eBay, Etsy und Wish gehören in den USA zu den führenden E-Commerce-Anbietern. Die Detailhändler ohne Versandhandel schlagen jedoch zurück! Ihre stärkste Waffe dabei sind ihre Filialen.

Dem Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen BDO zufolge haben die Detailhändler im bisherigen Geschäftsjahr etwa 7300 Filialen geschlossen, mehr als in jedem anderen ganzen Jahr. Einige Detailhändler müssen die Anzahl oder die Grösse ihrer Filialen verringern, weil das heutige Umfeld dies erfordert, bei anderen wie Payless, Gymboree und Charlotte Russe wurden Filialen als Teil einer Liquidation aus Insolvenzgründen geschlossen.

Für viele Detailhändler hat sich die Kombination aus Onlinepräsenz und Filiale in Form von «Online kaufen, im Laden abholen» (Buy Online, Pick up in Store – BOPIS) als erfolgreich erwiesen. In der Weihnachtssaison 2018 kam das BOPIS-Modell laut Adobe Analytics bei 47% der Detailhändler zum Einsatz.

Target und Walmart sind wohl die beliebtesten Detailhändler, die BOPIS anbieten. Nach neuesten Studien von Coresight Research gehen etwa 50% der Verbraucher, die diesen Service nutzen, zu Walmart und 34% zu Target. Die Liste der Detailhändler, die BOPIS anbieten, wächst jedoch ständig. So haben jüngst auch Rue21, Nordstrom, Stein Mart und Banana Republic ein entsprechendes Vorhaben angekündigt.

Finanziell ist das für die Detailhändler durchaus von Vorteil. Salesforce geht davon aus, dass Detailhändler, die diesen Service anbieten, dieses Jahr in den letzten fünf Tagen des Vorweihnachtsversands 28% mehr Umsatz erwirtschaften werden.

Im Rahmen einer Doodle-Umfrage wurde zudem festgestellt, dass 85% der Käufer beim Abholen ihrer Onlinebestellung zusätzliche Einkäufe tätigten, und 15% gaben an, dass sie dies «mehr oder weniger regelmässig» tun.

Für die Verbraucher gehen mit BOPIS unter anderem diese Vorteile einher:

  1. Keine Versandkosten
  2. Schnell
  3. Bequem

«Online kaufen, im Geschäft zurückgeben» (Buy Online, Return in Store – BORIS) ist ebenfalls ein wachsender Trend unter den US-amerikanischen Detailhändlern. Im Vergleich zu einem internationalen Durchschnitt von 46,7% bieten laut einer Umfrage von OrderDynamics aus dem Jahr 2018 unter Detailhändlern aus sieben Ländern in den USA 42,1% diesen Service an. Die Partnerschaft von Amazon und Kohl hat sich für beide Unternehmen als Erfolg erwiesen. Die Zusammenarbeit ermöglicht es den Kunden, unverpackte Artikel, die sie bei Amazon gekauft haben, in jeder Filiale von Kohl in den USA kostenlos zurückzugeben. Seit Kohl diesen Service anbietet, sind die Filialen laut eigener Aussage stärker frequentiert. Daten von inMarket belegen, dass die Besucherzahlen in den Geschäften von Kohl in den ersten drei Wochen, seit dort Artikel von Amazon zurückgegeben werden können, im Vergleich zu den vorangegangenen drei Wochen um nahezu 24% gestiegen sind. Der grösste Zuwachs war bei Kurzbesuchen von weniger als fünf Minuten zu verzeichnen. Bei den Kundenbesuchen, die länger als 16 Minuten dauerten, ergab sich ein Anstieg um 14%, was auf eine mögliche Umsatzsteigerung für Kohl hindeutet.

Es sind weitere Partnerschaften nach dem Modell von Amazon und Kohl zu erwarten. Die Kombination aus E-Commerce und Filialgeschäft kann sich sehr positiv auswirken, wenn sie optimal genutzt wird. Zudem haben die Kunden so mehr Optionen, was auch von Vorteil ist.

Cathy Morrow Roberson, Gründerin und Head Analyst, Logistics Trends & Insights LLC, Roswell, GA 30076, USA

Cathy Morrow Roberson hat elf Jahre bei UPS gearbeitet, hauptsächlich in der Abteilung Supply Chain Solutions. Dort war sie für Wettbewerbs- und Marktanalysen verantwortlich, unterstützte bei Sorgfaltsprüfungen zu Fusionen und Übernahmen sowie bei der Entwicklung neuer Produkte. In den letzten Jahren sammelte sie wertvolle Erfahrungen im Speditionsgeschäft und arbeitete als Teil eines Supportteams für einen Grosskunden von UPS.

Danach war Cathy knapp fünf Jahre für ein Forschungsunternehmen im Bereich Logistik mit Sitz in Grossbritannien tätig. Anschliessend gründete sie mit Logistics Trends & Insights im Jahr 2015 ihr eigenes Unternehmen.

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