Soziale Roboter in der Geschäftswelt. Sind wir bereit?



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Robotik Soziale Roboter in der Geschäftswelt. Sind wir bereit?

Veröffentlicht am 27.9.2019 durch Janina Berga, Wissenschaftlerin, Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW)

In den letzten Jahren sind soziale Roboter wie Pepper und NAO in das Licht der Öffentlichkeit gerückt, denn Schweizer Unternehmen haben begonnen, ihre Einsatztauglichkeit zu testen. Zahlreiche Auftritte in Geschäften, auf Bühnen und sogar im Fernsehen legen unter Umständen nahe, dass das Leben und die Zusammenarbeit mit (hoffentlich) freundlichen Robotern bald Teil unseres Alltags sein werden. Aber haben wir diesen Stand tatsächlich schon erreicht?

Bereits seit die Aussicht besteht, Roboter im Alltag einzusetzen, haben wir eine Art «Hassliebe» zu diesem Konzept entwickelt. Wir möchten, dass Maschinen in der Lage sind, uns bei zahlreichen täglichen Aufgaben zu unterstützen. Dennoch sind wir uns nicht sicher, wie gross der Sprung sein darf, den wir bereit sind zu machen. Wir sind noch im Begriff, uns an verschiedene intelligente Technologien zu gewöhnen. Wir haben kein Problem mit Roboter-Staubsaugern, aber je sozialer (also menschenähnlicher) und autonomer die Roboter werden, umso mehr Unsicherheit entsteht. Tatsächlich sollen soziale Roboter autonom sein und sich gleichzeitig der ihnen zugedachten Rolle entsprechend verhalten.

Soziale Roboter werden Arbeitsplätze nicht gefährden. Noch nicht.

Dank der jüngsten technologischen Entwicklungen, geschicktem Marketing und vielleicht einiger bekannter Science Fiction sind die Menschen manchmal der Auffassung, dass Roboter (und KI) auf dem besten Weg sind, die Kontrolle zu übernehmen – angefangen mit unseren Arbeitsplätzen. In Asien gibt es zwar ein Hotel, das von Robotern geführt wird, aber Schweizer Unternehmen sind davon meilenweit entfernt. Eine Umfrage am FHNW Robo-Lab, die am DigitalDay Switzerland 2018 durchgeführt wurde, zeigte beispielsweise, dass Menschen, die bisher keinen Kontakt zu Robotern hatten, höhere Erwartungen an ihre technischen Fähigkeiten stellten als Personen, die bereits Kontakt mit einem Roboter hatten. Sie waren gegenüber den potenziellen alltäglichen Einsatzmöglichkeiten weitaus skeptischer eingestellt. Aktuell können die meisten Roboter nur bestimmte Aufgaben erledigen, für die sie programmiert oder trainiert wurden. Unabhängig davon, wie gut der Roboter vorbereitet ist (Unterhaltung, Fragen beantworten, Richtungsangaben machen, Reservationen entgegennehmen usw.), wird der eine oder andere mehr erwarten und zum Beispiel hoffen, dass der Roboter ein kaltes Getränk servieren kann. Und das kann er im Normalfall eben nicht. So entsteht die unausweichliche Enttäuschung und die Schlussfolgerung, dass Roboter noch nicht wirklich viel tun können.

Wenn Roboter Aufgaben übernehmen, bedeutet das Effizienz.

Wir erwarten anscheinend praktische Unterstützung von unseren potenziellen maschinellen Freunden – bei Dingen, die wir lieber nicht selbst tun würden. Schaffen das einige der besten sozialen Roboter auf dem Markt so ohne Weiteres? Leider nicht. Können wir einen Experten dafür bezahlen, den Roboter entsprechend zu programmieren, damit er das kann? Bedingt. Abgesehen von den hohen Kosten und der vorgenommenen Programmierung sowie Einrichtung muss der Benutzer immer noch die Grundlagen der Roboterbedienung verstehen und bereit sein, auf mögliche Probleme zu reagieren. Ganz ehrlich: Jede Technologie unterliegt Fehlfunktionen. Damit ein Roboter die Mitarbeitenden in einem Unternehmen unterstützen kann, muss ein anderer Mitarbeitender diesem Roboter «helfen», d. h. die Verantwortung für Bestückung, Aufladen, Wartung und Fehlerbehebung des Roboters übernehmen. Selbst bei geringen Investitionen scheinen sich die potenziellen Hindernisse und Kosten bisher nicht auszuzahlen. Die meisten Aufgaben, bei denen ein sozialer Roboter unterstützen kann, könnte auch ein Smartphone übernehmen.

Dennoch bereiten sie uns Vergnügen.

Wenn ein Unternehmen jedoch daran interessiert ist, zu Marketingzwecken einen interaktiven Roboter einzusetzen und so die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich zu ziehen, zu unterhalten und vielleicht eine Sensibilisierung zum Thema Robotik und ihrem Potenzial zu erreichen, warum nicht? Mit einigen Basiskomponenten kann der Roboter bei geringem Wartungsaufwand ein echter Publikumsmagnet sein. Einen Roboter dabei zu haben, ist immer ein guter Ausgangspunkt für eine Unterhaltung.

Es geht nicht nur um uns.

Kurz gesagt ist es unausweichlich, dass Roboter sozialer werden. Heute arbeiten Ingenieure, Programmierer usw. intensiver als je zuvor daran, Roboter auf natürlichere Weise in unseren Alltag zu integrieren. Das ist zweifellos sehr spannend. Die tatsächlichen Geschäftsszenarien müssen aber noch immer ausgearbeitet, technologische Lücken geschlossen werden. Bevor wir in die Integration von Robotern in die Gesellschaft investieren, sollten wir uns des «Wie» und «Warum» bewusst sein und uns fragen, in welchem Umfang die Roboter tatsächlich sozial sein sollen. Schliesslich sollten nicht nur wir auf die sozialen Roboter vorbereitet sein. Sie sind auch nicht bereit für uns, daher ist noch nicht die richtige Zeit gekommen, die Entwicklung unserer Mensch-Maschinen-Zukunft zu gestalten.

Janina Berga hält zu diesem Thema einen Vortrag an der Connecta in Bern.

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Janina Berga, Wissenschaftlerin, Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW)

Janina Berga ist Forscherin am Institut für Wirtschaftsinformatik an der Hochschule für Wirtschaft FHNW. Sie kommt aus dem Internationalen Management und bringt Erfahrung in den Bereichen Kommunikation, Event Management, Technik und Marketing mit. An der FHNW arbeitet sie am Projekt FHNW Robo-Lab mit und organisiert regelmässig Technologieworkshops, um für die technologischen Fortschritte zu sensibilisieren und deren Potenzial aufzuzeigen.

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