Disruptive Innovation als Handwerk Teil 2



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Innovation Disruptive Innovation als Handwerk – Arbeitstechniken, die die Erfolgswahrscheinlichkeit erhöhen

Publiziert am 18.09.2019 von Ruppert Bodmeier, Co-Founder Disrooptive

Muster zu erkennen und Verknüpfungen aus verschiedensten losen Zusammenhängen herzustellen, ist eine Fertigkeit, die jedem Menschen per DNA mitgegeben wird. Diese Fertigkeiten helfen, das ungeahnte Talent Ihrer Mitarbeitenden zu heben.

Im ersten Teil unserer Serie «Disruptive Innovation als Handwerk» sind wir darauf eingegangen, wie wir den Arbeits- und Entscheidungsprozess, um neue disruptive Branchenstandards zu entwickeln, radikal beschleunigen können. Im zweiten Teil wollen wir uns darauf konzentrieren, wie wir mit simplen Massnahmen die Fertigkeiten unserer Mitarbeitenden besser nutzen können und die neuen Lösungsansätze besser in der Organisation durchbekommen. Warum ist das so entscheidend? Heute ersticken Google, Amazon, Facebook und Apple mit ihren kundenzentrierten Strategien ganze Branchen. Allein 50% des aktuellen E-Commerce-Wachstums in Deutschland gehen an Amazon. Der Rest der Branche muss die restlichen 50% unter sich aufteilen. Die Kernfrage für europäische Unternehmen muss daher sein, wie sie sich am besten zur Wehr setzen und Nutzer wieder für sich begeistern können. Nur wenn man versteht, dass Unternehmen nicht mehr Produkt- oder Sortimentsanbieter sind, sondern dass sie sich zu Lösungsanbietern weiterentwickeln müssen, wird man die Kunden wieder von sich überzeugen können. Aufgeben ist also nicht angesagt, sondern vielmehr muss man heute die Dinge einfach anders angehen als bisher.

ARBEITSTECHNIKEN, DIE DIE ERFOLGSWAHRSCHEINLICHKEIT DISRUPTIVER LÖSUNGEN ERHÖHEN

#01 – VISUALISIERUNG, UM UNAUSGESPROCHENE MISSVERSTÄNDNISSE ZU VERMEIDEN

Wie oft habe ich es schon erlebt, dass Menschen glaubten, über das Gleiche zu sprechen und das Gleiche zu meinen, was sich dann bei tieferem Nachfragen aber schnell in Luft aufgelöst hat. Sprache, Schrift und Texte können noch so detailliert sein, am Ende kann sich trotzdem immer noch jede Person etwas anderes darunter vorstellen. Die beste Art und Weise, das zu verhindern, ist, dass Menschen beginnen, Meinungen und Vorstellungen anzuvisualisieren. Niemand kann vollständig in den Kopf eines anderen Menschen blicken. Erst wenn Personen beginnen, ihre Gedanken wirklich handfest aufzubereiten, bekommen wir ein vollständiges Verständnis unseres Gegenübers. Oftmals lassen sich dadurch unterschiedliche Auffassungen früh ausfindig machen, und man versteht viel besser, worauf die andere Person hinauswill. Wir haben jedoch festgestellt, dass viele Menschen Hemmungen haben, ihre Vorstellungen zu visualisieren, da viele ihr eigenes zeichnerisches Talent zu schlecht oder falsch einschätzen oder sich keine Blösse durch «unprofessionelle» Zeichnungen geben wollen. Da wir in einem digitalen Umfeld arbeiten, haben wir begonnen, eine eigene Zeichenschablone zu entwickeln, die es ausnahmslos jedem erlaubt, die eigenen Gedanken schnell und einfach mit professioneller Optik anzuscribbeln (https://disrooptive.com/produkt/mobile-ux-zeichenschablone). Das nimmt Menschen nicht nur Hemmungen, ihre Gedanken aufzuzeigen, sondern hilft massiv dabei, eine Vorstellung zu bekommen, was gemeint ist, und Missverständnisse zu vermeiden. Gleichzeitig bekommt man in einem frühen Stadium ein sehr gutes Gefühl dafür, ob eine Lösung wirklich funktionieren kann und wo vielleicht noch Schwächen liegen. Dadurch lassen sich Diskussionen viel besser und zielgerichteter führen.

#02 – STAFFELSTABÜBERGABE, UM COMMITMENT VON DER ORGANISATION ZU BEKOMMEN

Die besten Ergebnisse erarbeiten gemischte Teams. Sie sorgen dafür, dass eine Idee ganzheitlich aus mehreren Blickwinkeln betrachtet wird. Dafür müssen Sie den Weg der Ideenbildung in mehrere separate Schritte unterteilen, die von einzelnen Personen erarbeitet werden können. Sammeln Sie im Team Kunden-Pain-Points zu einem Thema. Aber lassen Sie die Ziele, die man mit der Lösung eines Pain Point erreichen will, separat von einzelnen Personen ausarbeiten. Auf Basis eines formulierten Ziels macht wieder eine andere Person Recherchen, um nach Lösungen am Markt zu suchen. Eine dritte Person wird basierend auf den Zielen und den Marktrecherchen eine erste Lösungshypothese ausarbeiten usw. Diese Herleitung sowie die mitwirkenden Personen müssen über das gesamte Projekt transparent sein. So werden Ergebnisse zu Teamleistungen, weil jeder eine Facette in das Endergebnis einbringen konnte. Gleichzeitig steigt das Empathievermögen der Teilnehmer, weil jeder sich in die Arbeit des anderen hineindenken und dabei ansetzen muss. Und letztlich können in der Bewertung der Ideen auch die besten Ideen weitergebracht werden, denn wenn wir ehrlich sind, kennt jeder die Situation, in der man eine Idee, die komplett vom Chef oder Kollegen XY kommt, nicht abschlagen will oder kann. Sind alle Ideen in Teamleistung entstanden, löst sich dieses Problem in Luft auf und verliert das Politische.

#03 – ATOMISIEREN VON ALLTAGSAUFGABEN FÜR EIN KLARES VERSTÄNDNIS

Wenn man Mitarbeitenden komplett neue Aufgaben auf den Tisch legt, die vom Alltagsgeschäft deutlich abweichen, sind die meisten Menschen in der Regel erst einmal überfordert. Wenn man jahrelang stoisch einem Prozess folgt und diesen auf einmal hinterfragen soll, führt das zunächst vorwiegend zu Denkblockaden. Es ist daher besser, grosse Herausforderungen in einzelne Teilaufgaben aufzusplitten: Recherchieren Sie nach Unternehmen, die ein ähnliches Problem auf eine völlig neue Art gelöst haben. Beschreiben Sie, was diese Lösungen auszeichnet und warum Kunden sie so gerne nutzen. Überlegen Sie sich, was dies für unsere eigene Branche bedeuten kann und wie wir das für uns nutzen können usw. Wenn Sie eine grosse Aufgabe in kleinere Teilaufgaben unterteilen und diese formuliert sind wie typische Alltagsaufgaben, wird es Ihren Mitarbeitenden leichter fallen, auch bei innovativen Fragestellungen zu sehr guten Ergebnissen zu kommen. Gleichzeitig nehmen Sie ihnen die Angst vor neuen Themen und zeigen, dass sich diese für jede Person problemlos ausarbeiten lassen.

#04 – EINZELARBEIT VS. TEAMARBEIT, UM BESSERE ERGEBNISSE ZU ERARBEITEN

Wissenschaftliche Studien haben bewiesen, dass Gruppenarbeit zu deutlich schlechteren Ergebnissen führt, als wenn Menschen einzeln arbeiten. Bei genauerem Hinsehen ergibt das natürlich Sinn, da extrovertierte Menschen oder Personen mit rhetorischem Talent klar im Vorteil sind. Gleichzeitig müssen deren Lösungen nicht zwangsweise besser sein bzw. es droht, dass schlaue Gedanken, Ansichten oder Meinungen stillerer Personen untergehen. Die Gefahr in Gruppenarbeiten ist einfach zu gross, dass Alphatiere und extrovertierte Manager die Runde übernehmen. Oftmals ohne böse Absicht beeinflussen sie dadurch massiv das Ergebnis, und eine Reihe von Gedanken gehen unter. Lassen Sie daher Aufgaben und Ergebnisse immer von Personen einzeln ausarbeiten und kommen Sie als Team nur zur Besprechung sowie zur Priorisierung der Ergebnisse zusammen. Nutzen Sie grosse Meetings zur ganzheitlichen Beleuchtung eines Themas und decken Sie alle Ansichten auf. Danach werden diese nach einem demokratischen Verfahren priorisiert. Nutzen Sie dagegen kleine Meetings für Entscheidungen.

HEBEN SIE DAS UNGENUTZTE POTENZIAL IHRER MITARBEITENDEN UND LASSEN SIE SIE NEUE MASSSTÄBE SETZEN

In einem Zeitalter des permanenten digitalen Wandels ist nicht mehr Effizienz das Mass aller Dinge, sondern intelligentes und produktives Arbeiten: Die Fertigkeit, in radikal kurzer Zeit die richtigen Dinge zu erarbeiten, ohne ein Viertel der Produktionskraft durch Strukturen, Prozesse und Verfahren zu verschleudern. Wir werden oft von Unternehmen gefragt, wo sie denn diese kreativen Genies finden, die ihnen bei der Lösungsfindung helfen – die «out of the box» denken, Dinge hinterfragen, disruptive Lösungen erarbeiten. All diesen Unternehmen sagen wir immer das Gleiche: Die habt ihr schon lange eingestellt. Aber durch eure bestehenden Prozesse macht ihr sie zu standardisierten Denkern, die vor lauter Branchenfrömmigkeit nicht mehr links und rechts schauen können. Vor allem macht ihr sie in einem maschinellen Zeitalter völlig austauschbar. Es ist teilweise verrückt: Genau die Gabe, die uns bei künstlicher Intelligenz so fasziniert – Muster zu erkennen und Verknüpfungen aus verschiedensten losen Zusammenhängen herzustellen – ist eine Fertigkeit, die jedem Menschen per DNA mitgegeben wird. Allerdings versuchen wir, sie durch Standardprozesse radikal zu unterdrücken, anstatt Vorgehensweisen zu entwickeln, die dieses Talent bewusst nutzen, um die Entwicklungen aus anderen Branchen mit der eigenen Branche zu verknüpfen und entsprechend zu adaptieren.

Unserer Erfahrung nach ist aber ausnahmslos jeder dazu in der Lage, völlig neue Lösungsansätze so weit zu entwickeln. Dafür muss man es den Menschen aber so einfach wie möglich machen und ihnen das entsprechende Werkzeug an die Hand zu geben, um disruptiv zu denken und zu bestehenden Herausforderungen klare Antworten zu erarbeiten. In einem technokratischen Zeitalter der Maschinengläubigkeit, in dem alle blindgläubig den Algorithmen hinterhertanzen, ist die wichtigste Ressource, die Unternehmen zur Differenzierung zur Verfügung steht, der Mensch. Entsprechend sollte man das Talent des Querdenkens fördern und nicht behindern.

Ruppert Bodmeier referiert anlässlich der Connecta Bern zu diesem Thema.

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